Verfasser: Reinhard Duetsch, ehemaliger Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums, München


Die Schule

 

Das städtische-Heinrich-Heine-Gymnasium ist eine vierzügige Schule in Perlach mit etwa 850 Schülerinnen und Schülern. Es ist eine Stadtteilschule mit unterschiedlicher Sozialstruktur, von Altperlach dörflich und von Waldperlach und Siemens bürgerlich geprägt. Auch Neuperlach mit der typischen Sozialstruktur einer Trabantenstadt liegt im Einzugsbereich. Der Migrationsanteil an der Schule liegt bei 35%. Nur wenige Kinder haben Erfahrung mit (klassischer) Kunst.

 


Das Projekt

 

Angeregt von dem Film Rythm is it kam es zu kleineren Tanzprojekten, die dann zu Heinrich tanzt führten. Das bedeutete für die 8. Jahrgangsstufe vier Wochen Proben und am Schluss mehrere Aufführungen im öffentlichen Raum (Reithalle und Muffathalle). Da es sich nicht um einen Wahlkurs handelte, nahmen alle Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe daran teil. Die Schülerinnen und Schüler hatten im Juli keinen Unterricht mehr - mit allen Konsequenzen.

 

 

Was muss die Schule leisten?

 

1. Klares Konzept

 

Was will ich damit erreichen?

 

Für wen will ich etwas erreichen (Image der Schule oder für Weiterentwicklung der Schülerinnen und Schüler)?

 

Kann die Schule das Projekt stemmen? Ressourcen wie Personal, Räume, Finanzierung, Aufsicht und Haftungsfragen, ….

 

2. Einbindung aller Beteiligten

 

Lehrkräfte

Persönlich Gespräche mit allen Betroffenen: Schulleitung wg. Organisation, Fachbetreuungen wg. Lehrpläne und Prüfungen, Bedenken ernst nehmen und ausräumen, Verantwortliche finden, evt. Versuchsphase, …..

Möglichkeiten der Einbindung im Fachunterricht

Beschluss der Lehrerkonferenz

Schüler/innen 

Information, Appell an Offenheit; Vorteile darstellen, Neugier wecken und alles als Herausforderung sehen

Eltern

Information frühzeitig, regelmäßig, Vorteile darstellen und Ängste ernst nehmen und versuchen sie zu entkräften

Infoabende mit Künstlern, Elternbriefe, EB-Sitzungen, Rückmeldungen, Evaluation

Verwaltungspersonal

Information; Kartenverkauf, Einladungen, ….


3. Langfristige Jahresplanung


Umstrukturierung des üblichen Jahresplans (eigener Notenschluss, Fahrten, Überschneidungen der Aufführungen mit Konzerten, Konferenzen, ...)

 

 

Erfahrungen


Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten über einen längeren Zeitraum mit professionellen Künstlern zusammen, konzentrierten sich auf ein Thema, brachten eigene Ideen ein, lernten unmittelbar aus ihren Fehlern und waren verantwortlich für Erfolg oder Misserfolg. Sie rauften sich zu einer echten Gemeinschaft zusammen. Das kann kein Fachunterricht bieten.


Die Erfahrungen in den Bereichen

  • Körperwahrnehmung

  • Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit; Verantwortung zu übernehmen macht Sinn und bringt Erfolg

  • Respekt gegenüber den Leistungen anderer

  • Training der Frustrationstoleranz; Ertragen von Misserfolgen und Weitermachen bis zum Erfolg, Fokusierung auf ein Ziel (Auftritt)

  • Teamfähigkeit und Verlassen auf andere als Grundlage des Projekts

  • Konzentration und Disziplin; „bei der Sache bleiben“

  • Präsentations- und Sprechtechniken

lassen sich in einen späteren Beruf übertragen.


Es wird Interesse am künstlerischen Bereich, besonders an moderner Kunst (Auftrag der Verfassung für die schulische Bildung) geweckt. Der Fachunterricht wie Musik, Sport (Grundkurs Tanz mit deutlich mehr Jungs) und Deutsch (Jugend debattiert, Akzeptanz moderner Lyrik) profitiert und der Kontakt zu einer Art von Kultur, die sonst sicher oft abgelehnt wird, schafft Offenheit für Neues.

 

 

Fazit


Schule (Schulleitung und Lehrkräfte), Eltern und Schüler/innen müssen von dem Projekt überzeugt sein, was beim ersten Mal viel Überzeugungsarbeit nötig macht. Projekte dieser Art sind aufwendig und verursachen schon auch Reibung im Schulalltag, aber es lohnt sich sehr !!! und wird dann zum Selbstläufer.